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Wie nachhaltig ist Altölrecycling?

Beim Altölrecycling entstehen aus verbrauchten Schmierstoffen, Hydraulikölen, sowie Isolier- und Wärmeübertragungsölen neuwertige Grundöle. Es fördert die Nachhaltigkeit in zweierlei Hinsicht: Zum einen bedeutet es eine Schonung der Erdölreserven. Zum anderen entsteht bei den modernen Verfahren zur Aufbereitung von Altöl in der Regel ein geringerer CO2-Ausstoss als bei der Erdölveredelung. Der Gesetzgeber trägt diesen Aspekten im §2 (Vorrang der Aufbereitung) der Altölverordnung (AltölV) Rechnung, die klar und deutlich den Vorrang der Aufbereitung vor anderen Entsorgungsmöglichkeiten festschreibt.

Wo fallen Altöle an?

Das Altölrecycling dient dazu, die Grundöle aus gebrauchten Mineralölen zurückzugewinnen. Die Einsatzbereiche von Mineralölen erstrecken sich neben der Nutzung als Heiz- und Kraftstoff hauptsächlich auf

  • die Schmierung von Lagern, Motoren und Getrieben,
  • die Kühlung und Schmierung von Werkzeugen in der Oberflächentechnik und Metallbearbeitung,
  • die Kraftübertragung bei der Hydraulik,
  • die Wärmeübertragung in verfahrenstechnischen Anlagen und
  • die Isolation von Transformatoren und Kondensatoren in der Elektrotechnik.

Hauptbestandteil dieser Betriebsstoffe sind Grund- oder Basisöle. Um den unterschiedlichen Beanspruchungen in den verschiedenen Anwendungsgebieten zu entsprechen, werden die Grundöle mit Additiven versetzt. Dazu zählen unter anderem Korrosionsinhibitoren, Entschäumer oder Zusätze zur Verbesserung des Fließverhaltens bei extremen Temperaturen. Während der Nutzung gelangen weitere Stoffe, wie Feuchtigkeit, Abrieb, Späne oder Staub in die Öle.

Altoelverordnung altoelrecycling
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Außerdem kommt es zur Alterung, bei der sich die chemischen Eigenschaften verändern. Wenn das Öl den Anforderungen nicht mehr gewachsen ist, muss es ausgetauscht werden. Um das verbrauchte Öl beim Ölwechsel zu recyceln, müssen darin entstandene oder erhaltene Fremdstoffe vom Grundöl getrennt werden. Das gestaltet sich umso aufwendiger, je mehr Inhaltsstoffe es enthält. Aus diesem Grund schreibt die Altölverordnung in §4 (Getrennte Entsorgung, Vermischungsverbote) vor, das Öl getrennt nach Herkunft zu sammeln, zu befördern und möglichst recyceln zu lassen.

Sammelgruppen für Altöle

Durch die getrennte Bereitstellung werden Art und Menge von Fremdstoffen in den Altölen auf das Mindestmaß begrenzt. Grundlage für das Altölrecycling sind vier in Anhang 1 der Altölverordnung vorgegebene Sammelkategorien, denen entsprechende Abfallschlüssel zugeordnet sind. Es besteht ein klares Vermischungsverbot unterschiedlicher Sammelkategorien.

  • Sammelkategorie 1
    umfasst mineralölbasierte und synthetische Maschinen-, Getriebe- und Schmieröle, sowie Hydraulik-, Isolier- und Wärmeübertragungsöle auf Mineralölbasis, die keine Chlorverbindungen enthalten.
  • Sammelkategorie 2
    enthält halogenfreie synthetische und mineralölbasierte Bearbeitungsöle sowie synthetische Hydrauliköle.
  • Sammelkategorie 3
    ist für Altöle vorgesehen, die Halogene oder äußerst gesundheitsschädliche PCB-Verbindungen enthalten.
  • Sammelkategorie 4
    betrifft biologisch leicht abbaubare Altöle, synthetische Isolier- und Wärmeübertragungsöle, Öle aus Öl-/Wasserabscheidern sowie Heizöl und Diesel.

Wie läuft das Altölrecycling ab?

Das Altölrecycling läuft in mehreren aufeinanderfolgenden Verfahrensschritten ab. Von der Herkunft des Öls ist es abhängig, welche Schritte erforderlich sind und ob einige Verfahren mehrfach nacheinander angewendet werden müssen, bis die benötigte Reinheit der Grundöle erreicht ist.

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Entfernen fester Bestandteile

Grobe Feststoffe, die schwerer als Öl sind und deshalb im Verlauf der Zeit zu Boden sinken, werden durch Sedimentation entfernt. Wenn sich die festen Bestandteile abgesetzt haben, wird die Flüssigkeit abgesaugt und zur Weiterverarbeitung gepumpt. Schwebstoffe lassen sich durch nacheinander geschaltete Filter mit immer feinporigerem Filtermaterial zurückhalten.

Der übrig gebliebene Schlamm und das beladene Filtermaterial werden konventionell entsorgt und zur Energieerzeugung verwendet.

Öltrocknung

Die Feuchtigkeit wird in der Regel durch Adsorptionstrockner aus dem Altöl entfernt. Dabei durchströmt es Kolonnen, in denen das Wasser durch ein Molekularsieb zurückgehalten wird. Ist das Aufnahmevermögen des Molekularsiebes ausgeschöpft, wird es durch Wärmezufuhr regeneriert.

Destillation

In Rektifikationskolonnen erfolgt eine mehrstufige Destillation des Altöls. Sie bestehen aus einer Säule, an deren Sumpf (unteres Ende) ein Verdampfer und an deren Kopf (oberes Ende) ein Kondensator angebracht sind. Während der Dampf in der Kolonne aufsteigt, rieselt das Kondensat herab. Dabei reichert sich der Dampf immer weiter mit der leichter siedenden Komponente an und in der Flüssigkeit nimmt der Gehalt an schwersiedenden Bestandteilen zu. Am Kopf und aus dem Sumpf werden die getrennten Stoffe kontinuierlich entnommen.

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Raffination

Raffination bedeutet Veredelung. Unerwünschte Stoffe, die nach der Destillation noch im Grundöl enthalten sind, werden durch verschiedene Verfahren abgetrennt oder umgewandelt. Dazu gehört zum Beispiel die Hydrierung, bei der Substanzen durch die Anlagerung von Wasserstoff umgewandelt werden. Schwefel- und Stickstoffverbindungen lassen sich durch dieses Verfahren in gasförmige Stoffe (Schwefelwasserstoff, Ammoniak) überführen, die aus der Flüssigkeit entweichen und getrennt aufgefangen werden.

Weiterverarbeitung der Grundöle

Das Altölrecycling stellt dem Wirtschaftskreislauf die Grundöle erneut zur Verfügung, die in der Regel ursprünglich aus Erdöl gewonnen wurden. Durch das Hinzufügen von Additiven werden daraus Schmierstoffe für Getriebe und Motoren, Kühlschmierstoffe für die Metallverarbeitung und andere Produkte hergestellt. Irgendwann stehen sie wieder im Interesse der Nachhaltigkeit zum Recyceln von Ölen bereit.

kuehlschmierstoffe

Grüne Chemie beim Altölrecycling

Das Altölrecycling hat sich, nachdem es durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz und die darauf basierende Altölverordnung in den Vordergrund der Abfallbehandlung gerückt wurde, technologisch immer weiter verbessert. Bei der energetischen und stoffbezogenen Optimierung der Verfahren spielen auch die Grundprinzipien der grünen Chemie eine entscheidende Rolle. Ausführliche Erläuterungen dazu, was grüne Chemie bedeutet, finden Sie in unserem Beitrag „Nachhaltige Chemie“.

Da die Grundöle schon vorhanden sind, werden beim Recycling weniger Arbeitsschritte erforderlich als bei der Herstellung aus Erdöl. Daraus resultieren ein geringerer Energieverbrauch und damit auch ein geringerer CO2-Ausstoß.

Altölrecycling bei Kluthe

Produkte aus dem Altölrecycling sind Bestandteile vieler Stoffe aus dem Programm von Kluthe. Die Firma bietet zum Beispiel nichtwassermischbare Kühlschmierstoffe der Serie HAKUFORM S an, die auf der Grundlage von Hybase-Öl hergestellt wurden. Hybase-Öl wird mit einer ausgefeilten Technologie aus Altöl gewonnen.

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Auch Kluthe verfolgt ein umweltverträgliches Abfallwirtschaftskonzept. Die Firma nimmt verbrauchte Produkte von den Kunden zurück und führt sie der Wiederverwendung zu. Die Kunden verbessern damit gleichzeitig ihre Abfallbilanz. Außerdem bekommen sie auf Wunsch die aufbereiteten Stoffe in Form von Regeneraten zurück.