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Was bedeutet klimapositiv?

Klimaneutral reicht nicht mehr. Klimapositiv ist angesagt. Es gibt einen Punkt, an dem sich der Klimawandel verselbständigt, weil der Anstieg der Lufttemperatur natürliche Prozesse auslöst, die den Temperaturanstieg zunehmend verstärken. Die Erderwärmung wird dann erst bei einem neuen Gleichgewicht jenseits menschlicher Lebensbedingungen zum Stillstand kommen. Wenn es nicht gelingt, vorher gegenzusteuern, hilft sich die Natur selbst. Die grüne Chemie zeigt allerdings Wege für eine Umkehr auf.

Klimapositiv zum normalen Gleichgewicht zurück

Was stört das Gleichgewicht im Klima?

Der Treibhauseffekt beruht hauptsächlich auf dem Wasserdampfgehalt der Luft. Er sorgt dafür, dass an den meisten Orten der Erde erträgliche Temperaturen vorherrschen. Die Treibhausgase, allen voran Kohlendioxid und Methan, bewirken zusammen mit dem Wasserdampf eine verhältnismäßig konstante Lufttemperatur. Weil die Gase vorhanden sind, kann sich die Luft soweit erwärmen, dass sie in der Lage ist, auch Wasserdampf aufzunehmen. Fast 72 % der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Dort verdunstet es. Niederschläge bringen es auf die Erde zurück. Ein Teil ist jedoch stets in der Luft vorhanden. Der ist umso größer, je wärmer die Luft ist.

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Es stellt sich ein Gleichgewicht ein, dessen Mittelwert vom Gehalt an Treibhausgasen in der Luft abhängig ist. Außerdem ist dieses Gleichgewicht auch von den Eismassen an den Polen, in Gletschern und auf hohen Bergen abhängig. Weiße Eisflächen reflektieren den größten Teil der dort ankommenden Wärmestrahlen. Das hat eine regulierende Wirkung auf das Klima. Erhöht sich die Durchschnittstemperatur, beginnt das Eis zu schmelzen und die Wirkung lässt nach. Zusätzlich zu den beschriebenen Fakten bewirkt die Erwärmung der Erdoberfläche, dass in den Ozeanen und im auftauenden Permafrostboden gespeicherte Treibhausgase in die Lufthülle gelangen und den Klimawandel vorantreiben.

Kann nachhaltige Chemie von der Natur lernen?

Methan verschwindet aus der Luft, indem es sich nach und nach in Kohlendioxid und Wasser umwandelt. Es entsteht durch Stoffwechselvorgänge von Lebewesen wieder neu. Kohlendioxid verschwindet aus der Luft, wenn es von Pflanzen aufgenommen wird. Es wird wieder freigesetzt, wenn Pflanzen verrotten und Tiere atmen. Dieser Kreislauf ist klimaneutral, hat Millionen von Jahren gut funktioniert und ein Gleichgewicht bewirkt.

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Die Chemie findet in den Kreisläufen der Natur die Vorgaben für klimapositiv gestaltete Prozesse. Nachhaltige Chemie ist in der Lage, Verfahren zu entwickeln, die Treibhausgase und andere Reststoffe als Rohstoff nutzen. Verbindet man zum Beispiel Kohlendioxid mit einem Metall, erhält man ein festes Karbonat, das auch in der Natur vorkommt.

Welche Handlungen sind klimapositiv?

Der Kohlendioxid- und Methangehalt in der Luft ist in den vergangenen 200 Jahren stetig angestiegen. Klimapositiv sind alle Aktivitäten, die dazu führen, den Anteil der Treibhausgase langfristig wieder auf das alte Niveau zu bringen. Klimapositiv sind auch Maßnahmen, die den Staubeintrag in die Luft verringern. Dass die Eismassen Wärme zurückstrahlen können, hängt von ihrer weißen Oberfläche ab. Lagert sich dort dunkles Material ab, nimmt das die Sonnenwärme auf und trägt dazu bei, dass das Eis noch schneller schmilzt.

Je stärker die vom Klimawandel angefeuerten Stürme über die Erde fegen, desto mehr Staub aus den Abgasen der Schiffe, Flugzeuge, Autos und Heizkessel bringen sie dort hin. Die regulierende Wirkung der verbliebenen Eisflächen auf das Klima geht langsam verloren.

Was kann ein Unternehmen tun, um klimapositiv zu werden

Um klimapositiv zu werden, muss ein Unternehmen seine Produktionsprozesse gezielt umstellen. In der chemischen Industrie gilt es, die Prinzipien für grüne Chemie konsequent anzuwenden. Das ist nur mit entsprechenden Investitionen in beste verfügbare Techniken möglich. In der Zwischenzeit kann man sich in Projekten engagieren, die helfen, das Klima ins alte Gleichgewicht zurückzubringen.

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Konkret bedeutet das:

  • Wälder aufforsten, die das Kohlendioxid der Luft binden
  • Forschung betreiben, die das Ziel hat, Kohlendioxid als Rohstoffquelle zu erschließen
  • den Einsatz von Wasserstoff als Energiequelle beschleunigen
  • Treibhausneutrale Energiequellen in benachteiligten Regionen schaffen
  • Menschen in benachteiligten Regionen zu Infrastruktur, Bildung und Einkommen verhelfen, um ihnen Nachhaltigkeit im Handeln zu ermöglichen

Welche Ziele braucht ein potenziell klimapositives Unternehmen?

Die Unternehmen müssen zunächst klimaneutral werden. Es gibt drei Schwerpunkte auf diesem Weg: Energie, Stoffe, Transporte. Für alle gilt der Grundsatz, was eingespart wird, richtet keinen Schaden am Klima an und dient der Nachhaltigkeit.

Hat ein Unternehmen das geschafft, kann es sich vornehmen, klimapositiv zu werden. Die Chemie muss die Voraussetzungen dafür schaffen.

Schwerpunkt Energie

Energie lässt sich durch die Erhöhung des Wirkungsgrades von Motoren einsparen. In der Chemie laufen ununterbrochen Pumpen und Kompressoren, die Medien fördern und Drücke einstellen. Der Maschinenbau treibt seine Werkzeuge über Motoren an und nutzt Kompressoren für die Druckluftversorgung sowie Pumpen in der Hydraulik. Dieses große Einsparpotenzial lässt sich vor allem bei Investitionen in neue Technik nutzen. Weiteres Einsparpotential liegt in der Verringerung der Energieverluste.

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Dichte Druckluftleitungen und gut isolierte Rohrleitungen für heiße oder kalte Medien helfen dabei. Außerdem lässt sich Abwärme vielfältig nutzen. Der Einsatz von Wärmepumpen sorgt für eine eventuell erforderliche Erhöhung des Temperaturniveaus. Wird der Energieverbrauch im Sinne der Nachhaltigkeit deutlich gesenkt, reicht die Leistung erneuerbarer Energiequellen aus, den Bedarf ohne die Freisetzung von Treibhausgasen zu decken.

Schwerpunkt Stoffe

Technologien müssen auf einen effizienten Rohstoffverbrauch optimiert werden. Bei den Prozessen sollen möglichst wenige Abfälle entstehen. Anfallende Reststoffe müssen recycelbar sein und in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Entstehen bei Verfahren Treibhausgase, müssen sie abgefangen und gebunden werden oder als technische Gase Verwendung finden. Die grüne Chemie hat die Aufgabe, solche Verfahren zu entwickeln.

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Kohlenstoffhaltige Abfälle lassen sich als Rohstoff nutzen. Dazu hält die Biotechnologie interessante Ansätze bereit. Mit biotechnischen Verfahren hergestellte Zwischenprodukte sind ideale Einsatzstoffe für eine nachhaltige Chemie.

Schwerpunkt Transport

Lange Transporte von Rohstoffen und Abfällen aus und nach Übersee müssen zur absoluten Ausnahme werden. Die nur in entfernten Regionen vorhandenen Rohstoffe lassen sich vor Ort verarbeiten.

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Abfälle kann man dort aufbereiten, wo sie entstehen. Transporte können nie klimapositiv sein.

Eine Welt – ein Klima

Bevor spezielle Maßnahmen zum Klimaschutz überhaupt greifen können, gibt es noch viel Arbeit auf anderen Baustellen. Auf der Erde leben Menschen, die von Armut geplagt sind und mit allen Mitteln gegen das Verhungern ankämpfen. Ihr Anteil am Klimawandel – sei es die Brandrodung von Regenwald, das Abfackeln der Isolation von Elektronikschrott zur Metallrückgewinnung oder umweltschädigende Abbaumethoden von Bodenschätzen – resultiert aus purer sozialer Not. Deshalb dürften sie der Aufforderung zu mehr Nachhaltigkeit einigermaßen verständnislos gegenüberstehen.

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Das trifft besonders dann zu, wenn die Aufforderung von reichen Unternehmen ausgesprochen wird, die ihre Gewinne nicht nur mit billigen Rohstoffen erwirtschaften, sondern diese Produkte auch noch um den halben Erdball transportieren lassen und oberndrein die Rohstofflieferanten mit Industrieabfällen zuschütten. Ein klimapositives Unternehmen hilft, diese Zustände zu ändern, und übernimmt vorrangig soziale Verantwortung. Sonst kann es bestenfalls klimaneutral sein. Indirekt profitieren alle Menschen der Industrieländer von der Ausbeutung der „anderen“.

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Beispiel Palmöl: Es ist tonnenweise in Nahrungsmitteln und Kosmetikprodukten enthalten. Wo Ölpalmen wachsen, war vorher Regenwald. Bemühungen um nachhaltige Bewirtschaftung der Plantagen können den am Klima angerichteten Schaden nicht ausgleichen. Solange ein Unternehmen in Europa oder Nordamerika große Mengen Palmöl verarbeitet, ist es nicht klimapositiv. Es kann nur dann ein klimapositives Unternehmen werden, wenn es die Produktion auf einheimische Rohstoffe umstellt und den Regenwald wieder aufforsten lässt.