Kaltreiniger im Einsatz

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Kaltreiniger sind in vielen Fällen das Mittel der Wahl, um Öle und Fette oder hartnäckige Verschmutzungen aus Staub, Schmutz und Wachsen zu entfernen. In der Metall- und auch der Kunststoffverarbeitung spielen diese Reinigungsmittel eine wichtige Rolle bei der Teilereinigung, andere Gewerbe nutzen sie für die Instandhaltung von Motoren und Maschinen. Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist groß, genauso wie die Auswahl an Produkten.

Exzellente Reinigungskraft unter milden Bedingungen

Kaltreiniger sind Reinigungsmittel, die bereits bei Temperaturen um die 20°C ihre volle Reinigungskraft entfalten. Viele andere Reiniger brauchen höhere Temperaturen, um vergleichbare Reinigungserfolge zu erzielen. Kaltreiniger bestehen aus einem Gemisch verschiedener aliphatischer oder aromatischer Kohlenwasserstoffe. Ihre Reinigungswirkung beruht auf dem Prinzip „Gleiches löst Gleiches“. Die enthaltenen organischen Lösemittel sorgen dafür, dass hydrophobe Verschmutzungen, wie Öle, Fette, Teer oder Wachse und Harze gelöst werden. Nach einer Einwirkungszeit können die Verschmutzungen entfernt werden. Die Reiniger verdampfen in den meisten Fällen rückstandslos. Im industriellen Bereich werden sie vor allem für die Reinigung und Entfettung von Maschinen oder Maschinenteilen eingesetzt. Im privaten Haushalt dienen sie, um Öl- und Fettverschmutzungen im Motorraum des eigenen Autos zu entfernen oder die Fahrradkette von Fahrradöl und Verkrustungen zu befreien.

Worauf beruht die Reinigungswirkung?

Kaltreiniger bestehen aus einem Gemisch von niedrigkettigen aliphatischen, teilweise auch aromatischen Kohlenwasserstoffen. Sie besitzen relativ niedrige Siedebereiche, die normalerweise zwischen 140°C und 190°C liegen. Bei Raumtemperatur sind die meisten Varianten flüchtig und verdampfen. Weitere typische Inhaltsstoffe sind Alkohole, Ketone oder Hydroxyketone, Ester und Etherverbindungen wie 1-Methoxypropylacetat. Die große Bandbreite an Basiszusätzen zeigt, dass für nahezu jedes Reinigungsproblem ein entsprechendes Reinigungsmittel auf dem Markt ist.

WASSERLÖSLICHE KORROSIONSINHIBITOREN – CUSTOS

Um die Haltbarkeit über einen vernünftigen Zeitraum zu gewährleisten, werden Stabilisatoren zugesetzt. Diese wirken als Antioxidantien und verhindern eine frühzeitige Zersetzung des Lösungsmittels. Inhibitoren zum Korrosionsschutz dienen der gezielten Passivierung von Bauteilen, Antistatika verhindern die statische Aufladung durch Reibung, wie sie beim Umfüllen der Reinigungsmittel auftreten kann, und setzen dadurch die Entzündungsgefahr herab. Je nach enthaltenem Lösemittel kann dieses einen starken Lösemittelgeruch haben, der unerwünscht ist. Aceton, das in Nagellackentfernern enthalten ist, wäre ein Beispiel dafür. Um diesen zu verringern, werden manchen Mitteln Geruchsstoffe zugesetzt.

In welchen Bereichen kommen Kaltreiniger zum Einsatz?

Verschmutzungen und Verunreinigungen durch Öle und Fette, durch Wachse oder Harze sind in vielen industriellen Prozessen an der Tagesordnung. Gleichzeitig müssen Teile vor der Weiterverarbeitung, zum Beispiel der Lackierung, von allen diesen Resten befreit werden, um eine hohe Qualität des Endprodukts zu gewährleisten. Auch andere Bereiche sind auf die Lösekraft dieser Reiniger im wahrsten Sinne des Wortes angewiesen.

Blitzblank im Prozess

In der metallverarbeitenden Industrie ist die Teilereinigung ein essentieller Teil der Prozesskette. Bleche, Profil- oder Gussteile kommen in der Herstellungs- und Bearbeitungsphase mit verschiedenen Korrosionsschutzbeschichtungen und Ölen in Kontakt, wie Bohr- und Stanzöle oder Kühlschmiermittel. Vor der Weiterverbeitung oder der endgültigen Lackierung müssen all diese Verschmutzungen rückstandslos entfernt werden. Ansonsten leidet die Qualität des Endprodukts.

LÖSEMITTELBASIERENDE REINIGER

Was für Metallteile gilt, ist genauso auf Form- und Bautiele in der kunststoffverarbeitenden Industrie anwendbar. Auch hier wird gebohrt oder gefräst und dementsprechend werden Kühlschmiermittel eingesetzt. Viele Bauteile werden heutzutage verklebt, was zu Kleberückständen führt. Für deren Entfernung sind in den meisten Fällen nur organische Lösemittel geeignet.

Einwandfreier Betrieb und optimaler Durchblick

Nicht nur in der verarbeitenden Industrie werden Kaltreiniger eingesetzt, sondern in allen Bereichen, bei denen es um Instandhaltung und Reinigung von Maschinen im Betrieb geht. In der Autowerkstatt sind es Motor und Getriebe, in der Luftfahrtindustrie sind es Flugzeug- oder Triebwerksteile und bei der Bahn beispielsweise Aggregate, die mit Fett- und Ölspuren, vermischt mit Staub und Dreck, zugesetzt sein können. Für die Entfernung dieser oftmals sehr hartnäckigen Verschmutzungen und Verkrustungen sind Kaltreiniger oft das Mittel der Wahl.

Weitere Bereiche, in denen diese Reinigungsmittel zum Einsatz kommen, sind die optische und feinmechanische Industrie sowie die Elektro- und Elektronikindustrie. Die optische Industrie ist auf extrem saubere Linsen angewiesen. Ölfilme oder Fingerabdrücke stören hier genauso wie zum Beispiel Klebstoffreste, die aus dem Zusammenbau von optischen Geräten zurückbleiben. In der Elektro- und Elektronikindustrie sind es Staub und Schmutz, die gemeinsam mit Ölen oder Fetten auf Elektromotoren eine unerwünschte Schmutzschicht bilden können. Auch die Reinigung elektronischer Bauteile oder Leiterplatten, bei denen keine Rückstände erwünscht sind, sind ein typisches Anwendungsfeld für diese Reiniger.

Chemische Reinigung
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Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung von Kaltreinigern

Sichere Lagerung und Handhabung

Kaltreiniger bestehen aus einem Gemisch verschiedener Lösemittel, deren Flammpunkte zumindest zum Teil im Bereich von 60°C liegen. Sie sind bei Raumtemperatur flüchtig und verdunsten rückstandsfrei. Das ist einerseits gewollt, andererseits muss genau dieser Punkt in der Handhabung beachtet werden. Denn aufgrund der leichten Verdunstung und des niedrigen Flammpunktes besteht prinzipiell die Gefahr der Selbstentzündung an der Luft. Die Lösemitteldämpfe sind schwerer als Luft und bei Überschreitung des Flammpunktes kann sich eine explosionsfähige Atmosphäre bilden. Eine gute Belüftung bannt diese Gefahr. In Räumen, in denen mit Kaltreinigern gearbeitet wird, sollte dafür gesorgt sein. Das Ab- und Umfüllen sollte immer unter einer entsprechenden Absaugung stattfinden, damit entweichende Dämpfe direkt abgeführt werden. Aus dem gleichen Grund sollten Gebinde nicht offenstehen gelassen und nur in belüfteten Chemikalienschränken gelagert werden.

Aufgrund des niedrigen Flammpunktes sind besondere Sicherheitsmaßnahmen in puncto Brandschutz zu beachten. Kaltreiniger sollten von Zündquellen, offenen Flammen und heißen Oberflächen ferngehalten werden. Auch mechanisch erzeugte Funken sind eine Gefahrenquelle genauso wie elektrostatische Aufladungen. Beim Umfüllen mit den Mitteln besteht die Gefahr, dass sich der verwendete Behälter elektrostatisch auflädt – ein Funke kann zu schweren Folgen führen. Deswegen müssen die Behälter immer geerdet sein.

Persönliche Schutzausrüstung

Für den Anwender ist persönliche Schutzausrüstung vorgeschrieben, wie man sie aus dem Arbeiten mit Chemikalien kennt. Besteht die Gefahr, dass sich Dämpfe oder Aerosole bilden, muss ein Atemschutz eingesetzt werden.

Handschuhe und weitere Schutzausrüstung
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Auch der Hautschutz spielt eine wichtige Rolle. Kaltreiniger entziehen der Haut Fette. Sie sollte damit nicht in Kontakt kommen, weshalb für den Umgang spezielle Handschuhe, beispielsweise aus Fluorkautschuk, raten sind. Außerdem wird von Seiten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes die Anwendung einer rückfettenden Hautcreme nach Beendigung der Arbeiten dringend empfohlen.

Richtige Entsorgung und Recycling

Betriebe, die mit Kaltreinigern in größeren Mengen arbeiten, nutzen dafür nicht nur manuelle, sondern auch technische Verfahren. Werden diese Reinigungsmittel beispielsweise im Abwasch-, Tauch- oder Spritzverfahren verarbeitet, so müssen die Betriebe einen Ölabscheider haben. Diese trennen das Mittel nach der Anwendung vom übrigen Abwasser ab. In einem Ölabscheider wird der ölhaltige Film abgesaugt und kann dem Recycling oder der Entsorgung zugeführt werden. Unter dem Abscheider befindet sich eine Tauchwand, aus der das gereinigte Wasser austritt. Dieses kann nun bedenkenlos dem Kanalisationsnetz zugeführt werden. Wichtig: Der Reiniger darf nie gemeinsam mit tensidhaltigen Abwässern entsorgt werden. Denn in diesem Fall werden die organischen Lösungsmittel emulgiert und die Ölabscheidung funktioniert nicht mehr.

Abgetrennter Kaltreiniger kann in einem mehrstufigen Verfahren wiederaufbereitet werden. In einem ersten Schritt werden größere Verunreinigungen physikalisch durch Filtration und Zentrifugation entfernt. Anschließend werden in einer zweistufigen Destillation erst die leichtflüchtigen, danach die schwerflüchtigen Kohlenwasserstoffe abgetrennt. Im Destillat noch vorhandene organische Bestandteile werden durch Schwefelsäure ausgefällt und die Lösung anschließend neutralisiert. In manchen Fällen sind organische Lösemittel enthalten, die nicht durch Destillation aufgearbeitet werden können. Dann ist nur noch die Entsorgung über eine spezialisierten Fachbetrieb möglich.