Lackhaftung mit Gitterschnittprüfung bewerten

Gitterschnittprüfung: Lackhaftung zuverlässig prüfen und bewerten

Die Qualität der Beschichtung trägt maßgeblich zur Lebensdauer eines Bauteils bei. Um einschätzen zu können, wie verlässlich ein Lackauftrag haftet, kommen standardisierte Prüfverfahren zur Anwendung. Zu den bekanntesten zählt die Gitterschnittprüfung nach DIN EN ISO 2409, die zeigt, ob eine Lackschicht auch unter Belastung stabil bleibt.

Grundlagen der Gitterschnittprüfung nach DIN EN ISO 2409

Die Gitterschnittprüfung ist eine einfache Methode zur Einschätzung der Haftfestigkeit ein- und mehrlagiger Beschichtungen. Sie ist ein Standardverfahren zur Qualitätssicherung bei der Pulverbeschichtung und beim Nasslack. Die Prüfung lässt sich unkompliziert und schnell durchführen und erfordert kaum apparativen Aufwand. Die Investitionskosten sind niedrig und der Einsatzbereich breit.

Geeignet ist der Gitterschnitt für Schichtdicken bis etwa 250 µm sowie für strukturierte Oberflächen mit höheren Schichtstärken.

Da es sich um ein zerstörerisches Prüfverfahren handelt, wird er nur in definierten Bereichen des Bauteils oder auf Musterteilen durchgeführt. Kenntnisse über die Metallbearbeitung und den Lackierprozess erleichtern die Auswahl des Prüfbereichs.

Bewertungsstufen beim Gitterschnitt

Die DIN EN ISO 2409 nennt mehrere Kennwerte, die von Gt 0 bis Gt 5 reichen. Diese lassen sich wie folgt einordnen:

  • Gt 0: glatte Schnittkanten, keine Ablösungen (sehr gute Lackhaftung)
  • Gt 1: minimale Ablösungen an den Schnittpunkten des Gitters (abgelöste Fläche maximal 5 Prozent des Prüfbereichs)
  • Gt 2: Ablösungen an Schnittpunkten und/oder entlang der Schnittkanten (abgelöste Fläche zwischen 5 und 15 Prozent des Prüfbereichs)
  • Gt 3: teilweise oder vollständige Ablösung der Schnittkanten (abgelöste Fläche zwischen 15 und 35 Prozent des Prüfbereichs)
  • Gt 4: breitflächige Ablösungen entlang der Schnittkanten oder teilweise bis vollständige Ablösung der Quadrate (abgelöste Fläche zwischen 35 und 65 Prozent des Prüfbereichs)
  • Gt 5: jegliche Ablösung über 65 Prozent der Prüffläche (sehr schlechte Lackhaftung)

Die Gitterschnittprüfung liefert lediglich eine visuelle Beurteilung, aber keinen Messwert im physikalischen Sinne. Genau genommen zeigt sie, wie sich eine Lackierung bei Verletzung und Scherbeanspruchung verhält.

Gitterschnittprüfung Kennwerte DIN EN ISO 2409

Ablauf der Gitterschnittprüfung

In die zu prüfende Beschichtung wird mit einem speziellen Schneidwerkzeug ein Schnittgitter eingeritzt. Dieses umfasst sechs parallele Schnitte sowie sechs weitere Schnitte im rechten Winkel zu diesen, sodass ein gleichmäßiges Quadratmuster entsteht. Alle Schnitte müssen bis auf den Metalluntergrund gehen und diesen leicht an- oder einritzen, ohne ihn übermäßig zu verletzen.

Die einzelnen Schnitte liegen einen bis drei Millimeter auseinander, abhängig von der Schichtdicke und der Härte sowie Art des Untergrunds. Für Metalluntergründe gilt:

  • Schichtdicken bis 60 µm: 1 mm Rasterabstand
  • Schichtdicken von 61 bis 120 µm: 2 mm Rasterabstand
  • Schichtdicken von 121 bis 250 µm: 3 mm Rasterabstand

Nachdem der Kreuzschnitt eingebracht wurde, sind lose Partikel der Beschichtung zu entfernen. Hierzu können Druckluft bzw. Stickstoff, eine weiche Bürste oder Klebeband verwendet werden. Letzteres wird parallel zu einer Schnittrichtung aufgeklebt und nach spätestens fünf Minuten ruckartig in einem Winkel von 60 Grad entfernt. Anschließend folgt die visuelle Begutachtung durch den Vergleich des Schnittrasterbildes mit Referenzbildern aus der DIN EN ISO 2409. Je nach Art und Ausprägung der Abplatzung wird die Bewertungsstufe festgelegt. Für den Korrosionsschutz ist beispielsweise ein Gitterschnitt-Kennwert von Gt 0 bis Gt 1 akzeptabel.

Da die Ergebnisse der Gitterschnittprüfung je nach Substrat, klimatischen Bedingungen und Kraftaufwand variieren, ist es unerlässlich, diesbezügliche Vorgaben der DIN EN ISO 2409 strikt einzuhalten.

Gitterschnittprüfung der Lackhaftung mit Schnittgerät

Typische Fehlerquellen der Gitterschnittprüfung

In der Praxis können verschiedene Fehler das Prüfergebnis verfälschen. Gerade bei Nasslacken kann ein zu früher Hafttest zu einem schlechteren Kennwert führen, weil der Lack noch nicht vollständig ausgehärtet ist. Ebenfalls problematisch ist ein inkorrekter Schneidendruck. Bei zu geringem Druck ist der Gitterschnitt zu flach, während zu hoher Druck den Untergrund übermäßig beschädigt. Beides führt zu fehlerhaften Resultaten.

Ein falscher Abreißwinkel beim Test mit Klebeband kann dazu führen, dass die Beschichtung eher reißt oder sich untypisch verhält. Eine weitere Fehlerquelle ist Klebeband mit zu geringer Klebkraft.

Unabhängig von der Durchführung wirken sich auch Verschmutzungen auf dem Metalluntergrund auf das Ergebnis aus. Staub und Öl beeinflussen die Lackhaftung ebenso wie Reste der Oberflächenvorbehandlung. Schon eine minimale Verunreinigung kann das Schnittrasterbild signifikant verändern.

Interpretation und Einordnung der Ergebnisse der Gitterschnittprüfung

Eine sinnvolle Bewertung der Gitterschnitt-Resultate ist nur unter Berücksichtigung des jeweiligen Beschichtungssystems möglich. Ein Schnittrasterbild, das bei einem spröden Lack als unkritisch gilt, kann bei einem elastischen System bereits auf eine unzureichende Lackhaftung hindeuten. Wichtig ist daher, das Ergebnis nicht isoliert, sondern im Kontext von Materialeigenschaften, Oberflächenvorbehandlung und Einsatzbereich zu interpretieren.

Ebenfalls hilfreich für die Einordnung ist der Vergleich mit früheren Prüfungen. Damit lässt sich gut erkennen, ob der Beschichtungsprozess stabil läuft oder ob es nachteilige Veränderungen im Lack, in der Konversionsschicht oder in der Aushärtung gibt. Auf diese Weise kann eine Gitterschnittprüfung nicht nur eine Momentaufnahme liefern, sondern auch unerkannte Schwachstellen bei der Lackierung aufdecken.

Arbeiter besprüht Stahlträger mit blauer Lackfarbe
© nordroden – stock.adobe.com

Rolle der Gitterschnittprüfung im Zusammenspiel mit anderen Prüfverfahren

Häufig kommt der Gitterschnitt zum Einsatz, wenn die Haftfestigkeit neuer Beschichtungsmaterialien geprüft, Verfahren der Oberflächenvorbehandlung verglichen oder Modifikationen im Beschichtungsprozess abgesichert werden sollen. Bei Reklamationen und Schadensanalysen ist die Gitterschnittprüfung oft der erste Ansatz bei der Eingrenzung von Problemen mit der Lackhaftung.

In der Qualitätssicherung steht der Gitterschnitt selten allein. Er ergänzt andere Verfahren, die weitere Informationen zur Wirksamkeit einer Konversionsschicht liefern können. Dazu gehören Haftzugprüfungen, die quantitative Werte zur Bestimmung der Haftfestigkeit bereitstellen, sowie Biege- und Kratztests, die das Verhalten mechanisch beanspruchter oder flexibler Beschichtungen aufzeigen. In aller Regel dient sie als schneller Indikator für die Lackhaftung, während die anderen Prüfmethoden eine größere Detailtiefe liefern.

Gitterschnittprüfung ermöglicht unkomplizierte Haftungsbewertung

Unter den richtigen Rahmenbedingungen durchgeführt, kann eine Gitterschnittprüfung zeigen, ob ein Lackaufbau zuverlässig verankert ist. Bei Bedarf können ergänzende Prüfverfahren helfen, die Lackhaftung genauer zu beurteilen. Entscheidend ist immer die Einordnung des Ergebnisses unter Betrachtung des gesamten Beschichtungssystems. Dazu gehören die Eigenschaften des Lackmaterials, die Qualität der Vorbehandlung und die Wirksamkeit der Passivschicht, die als Haftgrund eine zentrale Rolle spielt.

Am Schnittrasterbild lässt sich ablesen, ob der Lackaufbau den Anforderungen des Einsatzbereichs gerecht wird oder ob Anpassungen erforderlich sind. Damit liefert der Gitterschnitt trotz seiner Einfachheit wertvolle Hinweise auf die Zuverlässigkeit der geprüften Beschichtung.

 

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Bilder ohne Quellenangabe wurden KI-generiert

Über Chemische Werke Kluthe GmbH

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