Das Greenhouse Gas Protocol – auf Deutsch Treibhausgasprotokoll – ist der weltweit führende Standard zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Für alle, die ihren CO2-Fußabdruck verringern wollen, liefert das GHG Protocol einen systematischen Rahmen zur Erfassung und Berichterstattung klimarelevanter Emissionen. Konkrete Angaben zu den freigesetzten Mengen sind mittlerweile auch Bestandteil von Umweltmanagementsystemen und gesetzlichen Berichtspflichten wie der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD). Außerdem steht die Aussicht auf eine verpflichtende Umweltberichterstattung für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen im Raum. Hier erfahren Sie, wie das Greenhouse Gas Protocol aufgebaut ist, welche Standards es umfasst und wie Unternehmen damit ihre Treibhausgasbilanz erstellen können.
Was ist das Greenhouse Gas Protocol?
Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) ist ein international anerkanntes Regelwerk zur standardisierten Erfassung, Berechnung
und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen. Der Name bedeutet auf Deutsch übersetzt „Treibhausgasprotokoll”. Es wurde entwickelt, um Unternehmen, Organisationen, Städten und Regierungen eine einheitliche Methodik an die Hand zu geben, mit der sie ihre Klimawirkung messen und vergleichbar machen können.

Das GHG Protocol deckt die sieben Treibhausgase ab, die im Kyoto-Protokoll der Vereinten Nationen definiert sind: Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄), Lachgas (N₂O), teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (HFCs), perfluorierte Kohlenwasserstoffe (PFCs), Schwefelhexafluorid (SF₆) und Stickstofftrifluorid (NF₃). Die Standards liefern konkrete Anleitungen, wie diese Emissionen erfasst, kategorisiert und dokumentiert werden.
Heute gilt das Greenhouse Gas Protocol als „Goldstandard” der Treibhausgasbilanzierung. Im Jahr 2023 nutzten 97 Prozent der im S&P 500 gelisteten Unternehmen, die an CDP berichteten, das GHG Protocol als Grundlage. Es bildet damit die Basis für nahezu jedes Emissionsberichtsprogramm weltweit – von freiwilligen Initiativen bis hin zu regulatorischen Vorgaben wie dem EU-Emissionshandel oder der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD).
Woher stammt das Greenhouse Gas Protocol?
Das Greenhouse Gas Protocol entstand Ende der 1990er Jahre aus der Erkenntnis, dass ein international einheitlicher Standard für die Bilanzierung von Unternehmensemissionen fehlte. 1998 veröffentlichte das World Resources Institute (WRI) gemeinsam mit Unternehmen wie BP und General Motors den Bericht „Safe Climate, Sound Business”, der den Grundstein legte. Dieser Bericht identifizierte die Notwendigkeit standardisierter Messmethoden für Treibhausgasemissionen. Kurz darauf begann die Zusammenarbeit mit dem World Business Council for Sustainable Development (WBCSD).
Die erste Ausgabe des Corporate Standard erschien 2001 und wurde 2004 grundlegend überarbeitet. 2011 folgten der Corporate Value Chain Standard (Scope 3) und der Product Life Cycle Standard. 2015 wurde die Scope 2 Guidance veröffentlicht, die klarstellt, wie Unternehmen Emissionen aus eingekaufter Energie messen können. Seitdem entwickelt das GHG Protocol seine Standards kontinuierlich weiter – zuletzt mit öffentlichen Konsultationen zur Aktualisierung der bestehenden Leitlinien.
Das World Resources Institute (Weltressourceninstitut) ist eine gemeinnützige Forschungsorganisation, in der Experten aus Wissenschaft, Ökonomie und Politik zusammenarbeiten. Als Non-Profit-Organisation setzt sich das Institut für den Umweltschutz und die allgemeine Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse ein. Der World Business Council for Sustainable Development (Weltwirtschaftsrat für nachhaltige Entwicklung) vertritt die Interessen nachhaltig orientierter Unternehmen. Sein Ziel ist es, die Verantwortung für den Umweltschutz ins Bewusstsein der Führungskräfte zu bringen und gleichzeitig nachhaltige Lösungen zu finden, mit denen Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich sein können.
Die drei Scopes des Greenhouse Gas Protocol

Ein zentrales Konzept des GHG Protocol ist die Einteilung der Emissionen in drei Kategorien, die sogenannten Scopes. Diese Systematik ermöglicht eine vollständige und überschneidungsfreie Erfassung aller klimarelevanten Emissionen eines Unternehmens oder einer Organisation.
Scope 1: Direkte Emissionen
Scope 1 umfasst alle direkten Emissionen, die im Unternehmen selbst entstehen und die das Unternehmen unmittelbar kontrolliert. Dazu gehören Emissionen aus eigenen Produktionsanlagen und Fertigungsprozessen, aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe in Heizungsanlagen und Öfen, aus dem Betrieb von Firmenfahrzeugen sowie aus chemischen Prozessen und flüchtigen Emissionen wie Kältemittelleckagen.
Scope 2: Indirekte Emissionen aus Energie
Scope 2 bezieht sich auf indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie. Diese entstehen nicht im Unternehmen selbst, sondern beim Energieerzeuger. Dazu zählen Strom, Dampf, Fernwärme und Kälte, die von externen Versorgern bezogen werden. Das Greenhouse Gas Protocol unterscheidet hier zwischen der standortbasierten Methode, die den durchschnittlichen Emissionsfaktor des lokalen Stromnetzes verwendet, und der marktbasierten Methode, die die tatsächlich eingekaufte Stromqualität berücksichtigt – etwa bei Ökostromverträgen.
Scope 3: Emissionen der Wertschöpfungskette
Scope 3 erfasst alle übrigen indirekten Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette. Das Greenhouse Gas Protocol definiert hier 15 Kategorien, darunter eingekaufte Güter und Dienstleistungen, Geschäftsreisen, Pendelverkehr der Mitarbeiter, Transport und Verteilung, Nutzung der verkauften Produkte sowie deren Entsorgung am Lebensende. Für viele Unternehmen machen die Scope-3-Emissionen den größten Teil ihres CO₂-Fußabdrucks aus – oft mehr als 70 Prozent.
Diese Dreiteilung ermöglicht eine vollständige Erfassung des CO₂-Fußabdrucks und zeigt auf, wo die größten Hebel für Emissionsminderungen liegen. Während Scope 1 und 2 direkt vom Unternehmen beeinflusst werden können, erfordert die Reduktion von Scope-3-Emissionen die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden.

Warum bietet das Greenhouse Gas Protocol unterschiedliche Standards an?
Ein einheitlicher Standard für die Bilanzierung der Treibhausgasemissionen, der alle Bereiche und Beweggründe berücksichtigt, wäre unhandlich und schwer anwendbar. Das Greenhouse Gas Protocol bietet deshalb mehrere spezialisierte Standards für unterschiedliche Zielgruppen:
- Unternehmen unterschiedlicher Wirtschaftszweige
- Organisationen und öffentliche Einrichtungen
- Städte und Gemeinden
- Regierungen und politische Entscheidungsträger
Die Energie- und Rohstoffverbräuche sowie vor- und nachgelagerte Emissionsquellen unterscheiden sich in den jeweiligen Bereichen nach Menge und Art sehr deutlich voneinander.
Besondere Beweggründe verlangen spezielle Vorgehensweisen, für die das Greenhouse Gas Protocol entsprechende Berechnungsmethoden vorsieht.
Beispiele für Motive, eine Treibhausgasbilanz nach dem GHG Protocol zu erstellen:
- Klimaziele setzen und deren Erreichung nachverfolgen
- Gesetzliche oder freiwillige Berichterstattung erfüllen
- Risikomanagement und Erfüllung von Investorenerwartungen
- Imagepflege und Kommunikation gegenüber Stakeholdern
- Teilnahme am Handel mit Emissionszertifikaten
- Treibhausgasminderungs-Potenzial von Projekten vorausbestimmen
- Identifikation von Einsparpotenzialen und Kostensenkung
Die Standards des Greenhouse Gas Protocol im Überblick

Corporate Standard (Unternehmensstandard)
Der Corporate Standard ist das Herzstück des Greenhouse Gas Protocol und richtet sich an Unternehmen und Organisationen, die ein Treibhausgasinventar erstellen wollen. Die Schwerpunkte liegen auf der Berechnung von und der Berichterstattung über Treibhausgasemissionen. Der Standard definiert, wie Emissionen der Scopes 1, 2 und 3 erfasst, berechnet und berichtet werden. Die Betrachtungen erstrecken sich dabei über die gesamte Lieferkette. Auf dieser Grundlage können Betriebe – etwa aus der Oberflächentechnik – ihre Produktion auf nachhaltige Chemie ausrichten und ihre Fortschritte dokumentieren.
Der Corporate Standard des GHG Protocol ist bewusst programm- und politikneutral gestaltet. Er ist jedoch kompatibel mit den meisten bestehenden Emissionshandelssystemen und Berichtspflichten weltweit. Unternehmen, die den Corporate Standard anwenden, erfüllen damit in der Regel auch die Anforderungen nationaler und internationaler Klimaschutzprogramme.
Corporate Value Chain Standard (Scope 3)
Bei der Ermittlung von Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette tauchen häufig Schwierigkeiten auf, weil konkrete Werte fehlen. Diesem Problem widmet sich der Corporate Value Chain Standard des Greenhouse Gas Protocol. Er ermöglicht es Unternehmen, die vor- und nachgelagerten Prozesse systematisch zu beurteilen und Schwerpunkte für Emissionsminderungen ausfindig zu machen. Damit bietet sich Unternehmen der Oberflächentechnik die Gelegenheit, nachhaltige Chemie-Produzenten zu identifizieren und ihre Lieferkette gezielt auf Klimafreundlichkeit auszurichten.
Product Standard (Produktstandard)
Wer bei der Auswahl von Maschinen, Bauelementen, Prozesschemikalien oder Hilfsstoffen auf Nachhaltigkeit setzt, kann sich mit Hilfe des Produktstandards einen Überblick über die Treibhausgasemissionen im gesamten Lebenszyklus des Produktes verschaffen. Der Product Standard des Greenhouse Gas Protocol ermöglicht die Bilanzierung von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis hin zur Entsorgung. Produzenten hilft dieser Standard dabei, herauszufinden, wo sich die größten Einsparpotenziale für Treibhausgasemissionen ergeben. Unternehmen der Oberflächentechnik können ihre Prozesse beispielsweise auf nachhaltige Chemie umstellen und den Effekt dieser Umstellung quantifizieren.
GHG Protocol for Project Accounting (Projektstandard)
Der Schwerpunkt des Projektstandards liegt auf der politikneutralen Bilanzierung von Klimaschutzprojekten. Er stellt Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sich der konkrete Nutzen von Vorhaben ermitteln lässt. Auf dieser Grundlage können Unternehmen und Organisationen gezielt nach Aktivitäten suchen, die sie unterstützen möchten, oder eigene lohnende Projekte auf den Weg bringen. Der Projektstandard des Greenhouse Gas Protocol eignet sich auch für die Bewertung von Kompensationsmaßnahmen und die Generierung von Emissionsgutschriften.
Global Protocol for Community-Scale (Gemeindestandard)
Dieser Standard des GHG Protocol unterstützt Städte und Gemeinden bei ihren Aktivitäten zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. Er enthält praktische Werkzeuge für die Bestimmung der freigesetzten Mengen auf kommunaler Ebene. Außerdem zeigt er, wie sich aus den ermittelten Werten Strategien und messbare Ziele zur Emissionsreduzierung ableiten lassen. Die messbaren Ziele ermöglichen die genaue Nachverfolgung der Auswirkungen von städtischen Klimaschutzmaßnahmen. Hunderte von Städten weltweit haben sich im Rahmen des Global Covenant of Mayors verpflichtet, das Greenhouse Gas Protocol for Cities anzuwenden.
Mitigation Goal Standard
Länder, Städte und Gemeinden, die sich klare und verbindliche Ziele für die Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen setzen wollen, finden in diesem Teil des Greenhouse Gas Protocol eine strukturierte Anleitung für ihr Vorgehen. Der standardisierte Ansatz für die Bewertung und Berichterstattung eignet sich sehr gut, den Fortschritt auf dem Weg zum Klimaziel zu ermitteln und transparent darzustellen. Das GHG Protocol hilft damit auch bei der Umsetzung der im Pariser Klimaabkommen vereinbarten nationalen Klimaschutzbeiträge (NDCs).

Policy and Action Standard
Wie sich von der Politik geplante Maßnahmen und Handlungen auf den Treibhauseffekt auswirken, ist oft schwer vorauszusehen. Das Greenhouse Gas Protocol hilft Ländern, Städten und Gemeinden mit diesem Standard, die Klimafolgen von Gesetzen, Förderprogrammen, Steuern oder Regulierungen abzuschätzen und die Nachhaltigkeit von Aktivitäten zu verbessern. Der Policy and Action Standard des GHG Protocol ermöglicht es, verschiedene politische Optionen hinsichtlich ihrer Klimawirkung zu vergleichen und evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen.
Leitlinien des Greenhouse Gas Protocol
Die einzelnen Standards des Greenhouse Gas Protocol gehen ausführlich auf die speziellen Methoden zur Bilanzierung der Treibhausgase ein. Entsprechend aufwendig ist es, sich in diese Materie einzuarbeiten.
Leitlinie für die Landwirtschaft
Der Landwirtschafts-Leitfaden ist eine Ergänzung zum Corporate Standard des Greenhouse Gas Protocol. Er geht auf die Messung der Treibhausgasemissionen im Agrarsektor ein und berücksichtigt die besonderen Emissionsquellen dieses Sektors: Methanemissionen aus der Viehzucht, Lachgasemissionen aus gedüngten Böden und CO₂-Emissionen aus Landnutzungsänderungen. Außerdem ermöglicht er, die Wirkungen einer Landnutzungsänderung auf das Klima zu ermitteln – sowohl negative Effekte durch Entwaldung als auch positive Effekte durch Aufforstung und Kohlenstoffspeicherung im Boden.
Leitlinie für die Einschätzung und Berichterstattung über vermiedene Emissionen
Die Klimaberichterstattung eines Unternehmens muss glaubwürdig und widerspruchsfrei sein, um vor den Augen von Kunden und Geschäftspartnern zu bestehen. Das trifft insbesondere auf Vergleiche der klimabezogenen Auswirkungen von Produkten zu. Die Leitlinie des GHG Protocol zeigt, wie Unternehmen sowohl negative als auch positive Effekte in die Berichterstattung einbeziehen können. Beispielsweise können nicht immer alle Prinzipien zur Nachhaltigkeit umgesetzt werden, die die grüne Chemie vorgibt. Dann muss auch offengelegt werden, was noch zu tun ist. Das Greenhouse Gas Protocol fördert damit eine ehrliche und ausgewogene Kommunikation.
Leitlinie für die Ermittlung potenzieller Emissionen aus fossilen Brennstoffreserven
Diese Leitlinie des Greenhouse Gas Protocol richtet sich an Unternehmen, die fossile Brennstoffreserven besitzen oder nutzen. Die Förderung und Verbrennung von Öl, Kohle und Gas stellt eines der größten Risiken für das Klima dar. Menschen, die gegen die Nutzung dieser Reserven sind, Regierungen, die die Nutzung regeln wollen, und Unternehmen, die sich auf die zukünftige Entwicklung in diesem Sektor einstellen müssen, haben ein berechtigtes Interesse an mehr Transparenz. Bei der Beurteilung ist zwischen Rohstoffen für die Energiegewinnung und solchen für die Weiterverarbeitung zu unterscheiden. Nachhaltige Chemie ist beispielsweise in der Lage, fossile Rohstoffe klimaneutral zu verwerten, indem der Kohlenstoff dauerhaft in Produkten gebunden wird.

Leitlinie für die Finanzbranche
Kreditinstitute und Investoren haben einen erheblichen Einfluss auf die von ihnen vorfinanzierten Investitionen. Sie können Kredite vergeben oder verweigern und damit die Richtung der wirtschaftlichen Entwicklung mitbestimmen. Wollen Finanzinstitute ihre Entscheidung von der Nachhaltigkeit der Projekte abhängig machen, brauchen sie Instrumente, mit denen sie die Klimaauswirkungen abschätzen können. Das Greenhouse Gas Protocol versetzt sie beispielsweise in die Lage, grüne Chemie zu fördern und klimaschädliche Technologien zu bremsen. Die Leitlinie ergänzt die vorhandenen Standards des GHG Protocol um die erforderlichen Werkzeuge zur Bewertung von Portfolioemissionen und finanzierten Emissionen.
Die fünf Prinzipien des Greenhouse Gas Protocol
Das GHG Protocol basiert auf fünf grundlegenden Prinzipien, die eine qualitativ hochwertige Treibhausgasbilanzierung sicherstellen:
Relevanz: Die Treibhausgasbilanz soll ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Emissionen eines Unternehmens vermitteln. Die Systemgrenzen und Erfassungsmethoden müssen so gewählt werden, dass sie die klimarelevanten Aktivitäten angemessen widerspiegeln.
Vollständigkeit: Alle wesentlichen Emissionsquellen innerhalb der gewählten Systemgrenzen sollen erfasst werden. Wenn bestimmte Quellen ausgeschlossen werden, muss dies transparent begründet werden.
Konsistenz: Das Greenhouse Gas Protocol fordert die Verwendung einheitlicher Methoden, um aussagekräftige Vergleiche über die Zeit zu ermöglichen. Änderungen in der Methodik müssen dokumentiert und deren Auswirkungen dargestellt werden.
Transparenz: Alle relevanten Annahmen, Datenquellen und Berechnungsmethoden sollen offengelegt werden, sodass die Ergebnisse von Dritten nachvollzogen und überprüft werden können.
Genauigkeit: Die Unsicherheiten in der Emissionsberechnung sollen so weit wie praktisch möglich reduziert werden. Das GHG Protocol akzeptiert, dass nicht alle Daten mit gleicher Präzision verfügbar sind, fordert aber eine realistische Einschätzung der Datenqualität.

Das Greenhouse Gas Protocol in der Praxis anwenden
Die Anwendung des GHG Protocol folgt einem strukturierten Prozess, der sich in mehrere Phasen gliedert:
Im ersten Schritt legen Unternehmen ihre organisatorischen Grenzen fest. Das Greenhouse Gas Protocol bietet hier zwei Ansätze: den Kontrollansatz, bei dem alle Aktivitäten erfasst werden, über die das Unternehmen operative oder finanzielle Kontrolle hat, und den Eigentumsansatz, der sich an den Eigentumsanteilen orientiert.
Anschließend werden die operativen Grenzen definiert: Welche Scopes sollen erfasst werden? Während Scope 1 und 2 in den meisten Berichtsrahmen verpflichtend sind, erfordert die Erfassung von Scope 3 eine sorgfältige Auswahl der relevanten Kategorien.
Im dritten Schritt erfolgt die Datenerhebung. Das Greenhouse Gas Protocol empfiehlt, wo immer möglich primäre Aktivitätsdaten zu verwenden – etwa den tatsächlichen Energieverbrauch in Kilowattstunden. Wo keine Primärdaten verfügbar sind, können sekundäre Daten oder branchenspezifische Schätzwerte herangezogen werden.

Die erhobenen Aktivitätsdaten werden dann mit den entsprechenden Emissionsfaktoren multipliziert und in CO₂-Äquivalente umgerechnet. Das GHG Protocol stellt hierfür umfangreiche Berechnungstools und Emissionsfaktor-Datenbanken bereit.
Schließlich erfolgt die Dokumentation und Berichterstattung nach den Vorgaben des jeweiligen Standards. Das Greenhouse Gas Protocol definiert Mindestanforderungen an die Berichterstattung, ermöglicht aber auch eine erweiterte Offenlegung für Unternehmen, die ihre Klimaschutzaktivitäten besonders transparent kommunizieren wollen.
Für Unternehmen der Oberflächentechnik bietet das Greenhouse Gas Protocol die Möglichkeit, ihre Prozesse systematisch zu analysieren und gezielt auf nachhaltige Alternativen umzustellen. Die standardisierte Vorgehensweise schafft Transparenz gegenüber Kunden, Investoren und Regulierungsbehörden – ein zunehmend wichtiger Wettbewerbsfaktor in einer Wirtschaft, die sich auf Klimaneutralität ausrichtet.
Mehr Informationen zum Thema: https://ghgprotocol.org/ spezieller auch unter:
[1] https://ghgprotocol.org/sites/default/files/Guidance_Handbook_2019_FINAL.pdf [2] https://ghgprotocol.org/sites/default/files/2022-12/Scope%202%20Guidance%20case%20studies_0_0.pdf
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