Nasschemische Verfahren und deren typische Anwendungsgebiete im Überblick
Die nasschemische Oberflächenbehandlung ist aus der heutigen Fertigungs- und Oberflächentechnologie nicht mehr wegzudenken. Sie ist nicht nur ein vorbereitender Schritt, sondern ein entscheidender Faktor für die Funktionalität, Qualität und Lebensdauer eines Bauteils. Ob Korrosionsschutz, Haftvermittlung für Beschichtungen oder dekorative Veredelung: Nasschemische Verfahren sind eine wichtige Voraussetzung für präzise und reproduzierbare Ergebnisse auf unterschiedlichsten Metallen. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die von uns unterstützten Technologien und zeigen, mit welchen Produktlösungen wir diese Prozesse effizient und nachhaltig gestalten.
Nasschemische Oberflächenbehandlung: Diese Verfahren gehören dazu
Nasschemische Verfahren sind Prozesse, bei denen Oberflächen mittels flüssiger Medien wie Säuren, Laugen oder Lösungen gezielt gesäubert, beschichtet oder anderweitig verändert werden. Ihr Ziel besteht darin, Werkstücke auf nachfolgende Behandlungsschritte vorzubereiten, sie vor Korrosion zu schützen oder ihre Funktionalität zu verbessern. Typisch für die nasschemische Oberflächenbehandlung ist der Einsatz flüssiger Chemikalien, oft in Verbindung mit mechanischer Unterstützung oder elektrischer Energie. Die Anwendungen reichen vom Entfetten und Reinigen über das Erzeugen von Konversionsschichten bis hin zu dekorativen oder funktionalen Endbeschichtungen, die auf der nasschemischen Vorbehandlung aufbauen.
Reinigung
Das Reinigen ist der erste und entscheidende Schritt jeder Oberflächenbehandlung. Hierbei werden Verunreinigungen wie Öle, Fette und Staub entfernt, um eine sichere Haftung nachfolgender Schichten zu gewährleisten. Abhängig vom Material und Verschmutzungsgrad kommen saure, neutrale oder alkalische Reinigungsmittel zum Einsatz, die meist in Spritz- oder Tauchverfahren auf das Werkstück aufgebracht und anschließend abgespült werden.
Beizen und Passivieren
Beim Beizen werden metallische Oberflächen von Oxidschichten, Korrosionsprodukten oder Zunder befreit, vorwiegend mithilfe von Säuren. Bei der anschließenden Passivierung bildet sich eine dünne Konversionsschicht, die die Haftung und den Korrosionsschutz der Oberfläche verbessert und die Oberfläche für Folgeprozesse stabilisiert, etwa für eine galvanische Beschichtung oder eine Lackierung.
Galvanisierung
Die Galvanisierung (Galvanotechnik) ist ein nasschemisches Verfahren mit elektrochemischer Wirkweise, bei dem Metallionen aus einer Lösung auf ein leitfähiges Werkstück abgeschieden werden. Das Resultat sind funktionale und/oder dekorative Metallüberzüge, beispielsweise aus Zink, Chrom oder Nickel, die Schutz vor Korrosion bieten, die elektrische Leitfähigkeit optimieren oder die Optik veredeln.
KTL-Beschichtung
Bei der KTL-Beschichtung (Kathodische Tauchlackierung) handelt es sich um ein elektrochemisches Beschichtungsverfahren, bei dem ein Werkstück in einem Lackbad unter Einsatz elektrischer Spannung gleichmäßig beschichtet wird. Indem sich der Lack an der Oberfläche anlagert, bildet er eine widerstandsfähige, korrosionsbeständige Grundierung. Besonderer Beliebtheit erfreut sich die KTL-Beschichtung in der Automobilindustrie.
Elektropolieren
Beim Elektropolieren werden die Oberflächen metallischer Werkstücke elektrochemisch geglättet. Durch anodische Auflösung werden mikroskopisch kleine Spitzen abgetragen, wodurch glatte, glänzende und hygienische Oberflächen entstehen. Diese Form der Oberflächenbehandlung kommt vor allem in der Medizintechnik, in der Lebensmittelindustrie und bei besonders hochwertigen Edelstahlteilen zur Anwendung.
Anodisieren
Das Anodisieren ist ein nasschemisches Verfahren, das speziell bei Aluminium und seinen Legierungen eingesetzt wird. Durch elektrochemische Oxidation wird eine kontrollierte Oxidschicht erzeugt, die das Material vor Korrosion schützt und sich zudem dekorativ einfärben lässt. Mittels Anodisieren entstandene Konversionsschichten besitzen eine poröse Struktur, die eine gute Haftung für weitere Beschichtungen bietet.

Haupteinsatzfelder der nasschemischen Oberflächenbehandlung
Nasschemische Verfahren sind prädestiniert für Einsatzgebiete, in denen Oberflächen mehr leisten müssen als nur gut auszusehen. Technologien wie die Galvanisierung, das Elektropolieren, die KTL-Beschichtung oder das Anodisieren finden in zahlreichen Branchen Verwendung, in denen sie jeweils spezifische Anforderungen erfüllen.
Zu den wichtigsten Anwendungsfeldern zählen:
- Automobilindustrie: Korrosionsschutz, Haftvermittlung vor dem Lackieren, dekorative Beschichtungen (z. B. bei Fahrwerkskomponenten, Karosserieteilen, Felgen)
- Maschinen- und Anlagenbau: Korrosionsschutz, Verbesserung der Lebensdauer und Funktionalität von Bauteilen wie Gehäusen, Wellen oder Verbindungselementen
- Elektrotechnik und Elektronik: galvanische Beschichtungen für eine bessere Leitfähigkeit, Oxidationsbeständigkeit und Kontaktqualität
- Bau- und Fassadentechnik: anodisierte oder lackierte Aluminiumbauteile für langlebige, wetterfeste und zugleich ästhetische Fassadenlösungen
- Medizintechnik und Pharmaindustrie: passivierte oder elektropolierte Oberflächen zur Gewährleistung höchster Hygieneanforderungen (z. B. bei chirurgischen Instrumenten oder Edelstahlbehältern)
- Landwirtschaft und Nutzfahrzeugtechnik: robuste Konversionsschichten für Bauteile, die extremen mechanischen und klimatischen Belastungen standhalten müssen
- Luft- und Raumfahrt: hochpräzise nasschemische Oberflächenbehandlung für sicherheitsrelevante Bauteile mit speziellen Anforderungen an Korrosionsbeständigkeit und Materialverträglichkeit
Welche Art der Oberflächenbehandlung zur Anwendung kommt, richtet sich nach dem Material, der gewünschten Funktion und dem vorgesehenen Einsatzbereich. Darüber hinaus sind wirtschaftliche und ökologische Gesichtspunkte entscheidend.
Kluthe Magazin


