{"id":4691,"date":"2021-12-03T16:11:29","date_gmt":"2021-12-03T15:11:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/?p=4691"},"modified":"2026-05-27T11:24:03","modified_gmt":"2026-05-27T09:24:03","slug":"umwelt-und-chemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/umwelt-und-chemie\/","title":{"rendered":"Umwelt und Schadstoffe in der Chemie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schadstoffe in der Chemie sind Substanzen, die bei chemischen Prozessen entstehen oder zum Einsatz kommen und die Umwelt belasten k\u00f6nnen. Sie reichen von fl\u00fcchtigen organischen Verbindungen (VOC) \u00fcber Schwermetalle bis hin zu persistenten organischen Schadstoffen (POPs). Welche Schadstoffklassen f\u00fcr die chemische Industrie besonders relevant sind, wie sie in Luft, Wasser und Boden gelangen und welche Forschungsans\u00e4tze ihre Reduktion zum Ziel haben \u2014 dieser \u00dcberblick erl\u00e4utert die wichtigsten Zusammenh\u00e4nge zwischen Chemie und Umwelt.<\/strong><\/p>\n<h2>Was sind Schadstoffe in der Chemie?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schadstoffe sind Substanzen, die in der Lage sind, lebende Organismen oder \u00f6kologische Systeme zu sch\u00e4digen, wenn sie in ausreichender Konzentration und Verweildauer auftreten. In der chemischen Industrie k\u00f6nnen Schadstoffe an verschiedenen Stellen des Stoffstroms entstehen: als Ausgangs- oder Hilfsstoffe im Prozess, als Zwischen- oder Nebenprodukte einer Reaktion, als Emissionen in Luft und Wasser oder als Abf\u00e4lle nach der Produktion. Ob ein Stoff als Schadstoff gilt, h\u00e4ngt nicht nur von seiner chemischen Struktur ab, sondern auch von Menge, Verteilung und Umweltbedingungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die regulatorische Einordnung erfolgt in der Europ\u00e4ischen Union vor allem \u00fcber die REACH-Verordnung sowie \u00fcber die CLP-Verordnung zur Einstufung und Kennzeichnung chemischer Stoffe. Auf nationaler Ebene konkretisieren das Chemikaliengesetz (ChemG), die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) und die Bundesimmissionsschutzverordnungen (BImSchV) die rechtlichen Anforderungen an den Umgang mit Schadstoffen.<\/p>\n<h2>Chemie und Umwelt: Wechselwirkungen im \u00dcberblick<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen Chemie und Umwelt bestehen vielf\u00e4ltige Wechselwirkungen. Chemische Prozesse begleiten die menschliche Zivilisation seit ihren Anf\u00e4ngen \u2014 von der Verbrennung \u00fcber die Metallgewinnung bis hin zur modernen Synthesechemie. In jeder dieser Anwendungen werden Stoffe umgewandelt, und in vielen F\u00e4llen entstehen dabei Reststoffe, die in die Umwelt gelangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend chemische Erzeugnisse den heutigen Lebensstandard erm\u00f6glichen, sind manche Umweltbelastungen auf chemische Prozesse oder Substanzen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Historisch wurden in der Oberfl\u00e4chentechnik, der Farbenherstellung oder der Lederproduktion regelm\u00e4\u00dfig giftige Substanzen wie Blei- oder Quecksilberverbindungen eingesetzt, ohne dass deren Wirkungen auf Mensch und Umwelt vollst\u00e4ndig bekannt waren. Heute sorgen wissenschaftliche Erkenntnisse, regulatorische Rahmenwerke und technologische Entwicklungen daf\u00fcr, dass Risiken systematischer bewertet und reduziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kluthe.com\/produkte\/oberflaechenvorbehandlung\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4714 size-full\" title=\"Chemische Prozesse in der Oberfl\u00e4chenvorbehandlung\" src=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Unser-Beitrag-zur-Umwelt.jpg\" alt=\"Chemische Prozesse in der Oberfl\u00e4chenvorbehandlung\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Unser-Beitrag-zur-Umwelt.jpg 900w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Unser-Beitrag-zur-Umwelt-300x200.jpg 300w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Unser-Beitrag-zur-Umwelt-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Entwicklung der Naturwissenschaften haben sich eigene Disziplinen herausgebildet, die sich gezielt mit dem Zusammenspiel von Chemie und Umwelt befassen: die Umweltchemie und die Green Chemistry. Beide werden weiter unten n\u00e4her betrachtet.<\/p>\n<h2>Wichtige Schadstoffklassen in chemischen Prozessen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die f\u00fcr die chemische Industrie und insbesondere f\u00fcr die Oberfl\u00e4chentechnik relevanten Schadstoffe lassen sich in mehrere Klassen einteilen.<\/p>\n<h3>Fl\u00fcchtige organische Verbindungen (VOC)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">VOC (volatile organic compounds) sind organische Substanzen, die schon bei Raumtemperatur in die Gasphase \u00fcbergehen. Dazu z\u00e4hlen viele L\u00f6semittel, die in Lacken, Reinigungs- und Sp\u00fclmedien zum Einsatz kommen. VOC tragen zur Bildung von bodennahem Ozon bei und k\u00f6nnen Atemwegsreizungen sowie weitere Gesundheitsbeeintr\u00e4chtigungen verursachen. Ihre Begrenzung ist in der 31. Bundesimmissionsschutzverordnung (31. BImSchV) geregelt.<\/p>\n<h3>Persistente organische Schadstoffe (POPs)<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">POPs sind organische Verbindungen, die in der Umwelt nur langsam abgebaut werden, sich in der Nahrungskette anreichern und \u00fcber weite Strecken transportiert werden k\u00f6nnen. Die Stockholm-Konvention reglementiert ihren Einsatz auf internationaler Ebene. Zu den bekanntesten Vertretern z\u00e4hlen Dioxine, Furane und einige Pestizide. Auch verschiedene per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) werden zunehmend reguliert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4695\" aria-describedby=\"caption-attachment-4695\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4695 size-full\" title=\"Analyse chemischer Substanzen im Labor\" src=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Green-chemistry.jpg\" alt=\"Analyse chemischer Substanzen im Labor\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Green-chemistry.jpg 900w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Green-chemistry-300x200.jpg 300w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Green-chemistry-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4695\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Sergey Yarochkin \u2013 stock.adobe.com<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Schwermetalle<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwermetalle wie Chrom (insbesondere in der Oxidationsstufe VI), Blei, Cadmium oder Quecksilber k\u00f6nnen bereits in geringen Konzentrationen sch\u00e4dlich auf Organismen wirken. In der Oberfl\u00e4chentechnik waren chromhaltige Konversionsverfahren lange Zeit Standard, werden aber zunehmend durch chrom(VI)-freie Verfahren auf Titan- und Zirkoniumbasis ersetzt.<\/p>\n<h3>Treibhausgase<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO\u2082), Methan (CH\u2084) und Distickstoffmonoxid (N\u2082O) werden bei vielen industriellen Prozessen freigesetzt. Sie tragen zum anthropogenen Anteil der globalen Erw\u00e4rmung bei. Ihre Begrenzung ist Gegenstand zahlreicher nationaler und internationaler Regelwerke, darunter das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS).<\/p>\n<h3>Mikroplastik<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kleinste Kunststoffpartikel haben sich in den letzten Jahrzehnten in Gew\u00e4ssern, B\u00f6den und sogar in entlegenen Regionen nachweisen lassen. Sie entstehen sowohl durch direkten Eintrag (etwa aus Kosmetika oder Reifenabrieb) als auch durch den Zerfall gr\u00f6\u00dferer Kunststoffabf\u00e4lle. Die Forschung zu ihren langfristigen Auswirkungen ist noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<h2>Wie chemische Schadstoffe in die Umwelt gelangen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schadstoffe k\u00f6nnen auf verschiedenen Pfaden in die Umwelt gelangen.<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Luftpfad:<\/strong> Emissionen aus Produktionsanlagen, Verbrennungsprozessen und L\u00f6semittelanwendungen gelangen \u00fcber Abgase und Aerosole in die Atmosph\u00e4re. Die 31. BImSchV regelt Emissionsgrenzwerte f\u00fcr VOC, weitere Verordnungen erfassen Schwefeloxide, Stickoxide und Feinstaub.<\/li>\n<li><strong>Wasserpfad:<\/strong> \u00dcber Abw\u00e4sser k\u00f6nnen gel\u00f6ste Stoffe, Schwebstoffe und Schwermetalle in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser und Grundwasser gelangen. Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und die Indirekteinleiterverordnung der Bundesl\u00e4nder setzen die rechtlichen Anforderungen.<\/li>\n<li><strong>Bodenpfad:<\/strong> Durch Deposition aus der Luft, durch Sickerwasser oder durch direkte Aufbringung k\u00f6nnen Schadstoffe in B\u00f6den eindringen und dort persistieren. Das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) regelt die rechtlichen Anforderungen an Schutz und Sanierung.<\/li>\n<li><strong>Produktpfad:<\/strong> Schadstoffe k\u00f6nnen auch \u00fcber Produkte selbst in den Stoffkreislauf gelangen, etwa wenn sie sich aus Beschichtungen l\u00f6sen, abrasiv ausgetragen werden oder am Lebensende nicht ordnungsgem\u00e4\u00df entsorgt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Umweltchemie und Green Chemistry: Zwei Forschungsdisziplinen<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im wissenschaftlichen Umgang mit Schadstoffen haben sich zwei eigenst\u00e4ndige Disziplinen herausgebildet, die sich gut voneinander abgrenzen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Umweltchemie<\/strong> ist eine analytische Wissenschaft. Sie untersucht, wie chemische Substanzen sich in Luft, Wasser und Boden verteilen, wie sie sich ver\u00e4ndern und welche Auswirkungen sie auf \u00d6kosysteme haben. Umweltchemikerinnen und Umweltchemiker messen Schadstoffkonzentrationen, erforschen Abbauprozesse und bewerten Risiken. Der Fokus liegt auf der Diagnose bestehender Belastungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Green Chemistry<\/strong> wurde 1998 von Paul Anastas und John Warner als wissenschaftlicher Forschungsansatz formuliert, der die pr\u00e4ventive Gestaltung chemischer Produkte und Prozesse in den Mittelpunkt stellt. Statt Schadstoffe nachtr\u00e4glich zu entfernen oder zu behandeln, zielt Green Chemistry darauf ab, sie bereits bei der Produktentwicklung zu vermeiden. Anastas und Warner formulierten zw\u00f6lf Prinzipien, die seitdem als Bewertungsma\u00dfstab f\u00fcr Forschungsans\u00e4tze in dieser Disziplin dienen.<\/p>\n<h2>Die zw\u00f6lf Prinzipien der Green Chemistry nach Anastas und Warner (1998)<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden Prinzipien stammen aus dem Werk \u201eGreen Chemistry: Theory and Practice&#8220; von Paul Anastas und John Warner (Oxford University Press, 1998). Sie werden im Folgenden als wissenschaftliche Referenz wiedergegeben:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Abfallvermeidung:<\/strong> Es ist besser, Abfall zu vermeiden, als ihn nachtr\u00e4glich zu behandeln oder zu beseitigen.<\/li>\n<li><strong>Atom\u00f6konomie:<\/strong> Synthesemethoden sollten so gestaltet sein, dass alle eingesetzten Materialien maximal im Endprodukt eingebaut werden.<\/li>\n<li><strong>Weniger gef\u00e4hrliche Synthesen:<\/strong> Syntheseverfahren sollten Substanzen verwenden und erzeugen, die geringe oder keine Toxizit\u00e4t f\u00fcr Menschen und Umwelt aufweisen.<\/li>\n<li><strong>Sicherere Chemikalien:<\/strong> Chemische Produkte sollten so entwickelt werden, dass sie ihre gew\u00fcnschte Funktion erf\u00fcllen und dabei m\u00f6glichst geringe Toxizit\u00e4t aufweisen.<\/li>\n<li><strong>Sicherere L\u00f6semittel und Hilfsstoffe:<\/strong> Der Einsatz von Hilfsstoffen sollte vermieden oder auf unbedenklichere Substanzen beschr\u00e4nkt werden.<\/li>\n<li><strong>Energieeffizienz:<\/strong> Der Energiebedarf chemischer Prozesse sollte minimiert werden, idealerweise durch Reaktionen bei Umgebungstemperatur und -druck.<\/li>\n<li><strong>Erneuerbare Rohstoffe:<\/strong> Rohstoffe sollten erneuerbar sein, soweit dies technisch und wirtschaftlich machbar ist.<\/li>\n<li><strong>Reduktion von Derivaten:<\/strong> Unn\u00f6tige Derivatisierungen (Schutzgruppen, tempor\u00e4re Modifikationen) sollten vermieden werden, da sie zus\u00e4tzliche Reagenzien und Abfall erzeugen.<\/li>\n<li><strong>Katalyse:<\/strong> Katalytische Reagenzien sind st\u00f6chiometrischen vorzuziehen.<\/li>\n<li><strong>Design f\u00fcr Abbaubarkeit:<\/strong> Chemische Produkte sollten so entwickelt werden, dass sie nach Gebrauch in unbedenkliche Abbauprodukte zerfallen.<\/li>\n<li><strong>Echtzeitanalyse:<\/strong> Analysemethoden sollten in Echtzeit w\u00e4hrend der Synthese eingesetzt werden, um die Bildung gef\u00e4hrlicher Substanzen zu erkennen und zu kontrollieren.<\/li>\n<li><strong>Inh\u00e4rente Sicherheit:<\/strong> Substanzen und Verfahren sollten so gew\u00e4hlt werden, dass das Risiko chemischer Unf\u00e4lle minimiert wird.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die zw\u00f6lf Prinzipien werden international in Forschung und Lehre als Bezugsrahmen genutzt und finden Eingang in wissenschaftliche Bewertungsmethoden wie Lebenszyklusanalysen.<\/p>\n<h2>Forschungsans\u00e4tze zur Reduktion chemischer Schadstoffe<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Forschung und industrieller Praxis werden verschiedene Ans\u00e4tze verfolgt, um die Entstehung oder den Eintrag von Schadstoffen zu reduzieren.<\/p>\n<h3>Substitution gef\u00e4hrlicher L\u00f6semittel<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Traditionell wurden in chemischen Prozessen oft L\u00f6semittel wie Benzol, Toluol oder chlorierte Kohlenwasserstoffe eingesetzt. Forschungsans\u00e4tze ersetzen diese durch Wasser, \u00fcberkritisches Kohlendioxid oder ionische Fl\u00fcssigkeiten. Im industriellen Bereich kommen wasserbasierte Lacksysteme zum Einsatz, die den Anteil fl\u00fcchtiger organischer Verbindungen reduzieren.<\/p>\n<h3>Biokatalyse<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Enzyme und Mikroorganismen k\u00f6nnen chemische Reaktionen unter milden Bedingungen katalysieren, die sonst hohe Temperaturen, Dr\u00fccke oder aggressive Chemikalien erfordern w\u00fcrden. In der pharmazeutischen Synthese hat sich Biokatalyse bei zahlreichen Wirkstoffsynthesen etabliert.<\/p>\n<h3>Effizientere Synthesewege<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Entwicklung k\u00fcrzerer Synthesewege kann den Energie- und Materialeinsatz pro Produkt reduzieren. Ein in der Fachliteratur h\u00e4ufig zitiertes Beispiel ist die Synthese von Ibuprofen: W\u00e4hrend die urspr\u00fcngliche Boots-Synthese aus den 1960er Jahren sechs Schritte umfasste, kommt das von der BHC Company entwickelte und 1992 patentierte Verfahren mit drei katalytischen Schritten aus.<\/p>\n<h3>Chemisches Recycling<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim chemischen Recycling werden Polymere in ihre Monomere zerlegt, die sich anschlie\u00dfend zur Herstellung neuer Kunststoffe einsetzen lassen. Damit erg\u00e4nzt das Verfahren das mechanische Recycling und erm\u00f6glicht in bestimmten Stoffstr\u00f6men eine h\u00f6herwertige Wiederverwertung.<\/p>\n<h2>Schadstoffvermeidung in der Oberfl\u00e4chentechnik<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Oberfl\u00e4chentechnik verl\u00e4ngert durch <a href=\"https:\/\/kluthe.com\/produkte\/korrosionsschutz\/\">Korrosionsschutz<\/a> und Verschlei\u00dfschutz die Lebensdauer von Bauteilen. In den Prozessen der Vorbehandlung, Beschichtung und Nachbehandlung kommen verschiedene Hebel zum Tragen, mit denen sich die Schadstofffracht reduzieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kluthe.com\/produkte\/korrosionsschutz\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4142 size-full\" title=\"Korrosionsschutz mit geringer Filmst\u00e4rke\" src=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/korrosionsschutz.jpg\" alt=\"Korrosionsschutz mit geringer Filmst\u00e4rke\" width=\"900\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/korrosionsschutz.jpg 900w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/korrosionsschutz-300x120.jpg 300w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/korrosionsschutz-768x307.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li><strong>Substitution von L\u00f6semitteln:<\/strong> Wasserbasierte Reiniger und Lacksysteme reduzieren den Einsatz organischer L\u00f6semittel und damit VOC-Emissionen.<\/li>\n<li><strong>Niedrigtemperaturverfahren:<\/strong> Die <a href=\"https:\/\/kluthe.com\/produkte\/oberflaechenvorbehandlung\/konversionsverfahren\/niedrigtemperatur-zinkphosphatierung\/\">Niedrigtemperatur-Zinkphosphatierung<\/a> arbeitet bei Prozesstemperaturen ab etwa 35 \u00b0C, gegen\u00fcber 55 bis 70 \u00b0C bei klassischen Verfahren. Daraus ergibt sich ein geringerer Energiebedarf.<\/li>\n<li><strong>Chromfreie Konversionsverfahren:<\/strong> Verfahren auf Basis von Titan- und Zirkoniumverbindungen ersetzen chromhaltige Konversionsbehandlungen. Damit entf\u00e4llt der Einsatz von Chrom(VI)-haltigen Chemikalien.<\/li>\n<li><strong>Wertstoffr\u00fcckgewinnung:<\/strong> Verfahren wie Resolve-T\u00ae erm\u00f6glichen die Aufbereitung verbrauchter L\u00f6semittel zur Wiederverwendung, statt sie als Sonderm\u00fcll zu entsorgen.<\/li>\n<li><strong>Geringere Stoffmengen:<\/strong> D\u00fcnnschichttechnologien arbeiten mit Schichtdicken im Nanometerbereich und reduzieren so den Chemikalienverbrauch pro Bauteilfl\u00e4che.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/kluthe.com\/produkte\/oberflaechenvorbehandlung\/konversionsverfahren\/niedrigtemperatur-zinkphosphatierung\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4678\" title=\"Niedrigtemperatur-Zinkphosphatierung\" src=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/niedrigtemperatur-zinkphosphatierung.jpg\" alt=\"Niedrigtemperatur-Zinkphosphatierung\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/niedrigtemperatur-zinkphosphatierung.jpg 800w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/niedrigtemperatur-zinkphosphatierung-300x200.jpg 300w, https:\/\/kluthe.com\/magazin\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/niedrigtemperatur-zinkphosphatierung-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<h2>H\u00e4ufig gestellte Fragen zu Schadstoffen in der Chemie und Umwelt<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was sind die wichtigsten Schadstoffklassen in der Chemie?<\/strong><br \/>\nZu den wichtigsten Schadstoffklassen z\u00e4hlen fl\u00fcchtige organische Verbindungen (VOC), persistente organische Schadstoffe (POPs), Schwermetalle (insbesondere Chrom VI, Blei, Cadmium, Quecksilber), Treibhausgase (CO\u2082, CH\u2084, N\u2082O) sowie Mikroplastik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie gelangen Schadstoffe aus der Chemie in die Umwelt?<\/strong><br \/>\nSchadstoffe gelangen \u00fcber vier Hauptpfade in die Umwelt: \u00fcber die Luft (Emissionen aus Anlagen, Verbrennung, L\u00f6semittel), \u00fcber das Wasser (Abw\u00e4sser, Indirekteinleitungen), \u00fcber den Boden (Deposition, Sickerwasser) und \u00fcber Produkte (Abrasion, Auswaschung, Entsorgung).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist der Unterschied zwischen Umweltchemie und Green Chemistry?<\/strong><br \/>\nDie Umweltchemie analysiert das Verhalten und die Wirkung chemischer Substanzen in der Umwelt \u2014 sie ist diagnostisch ausgerichtet. Green Chemistry ist ein 1998 von Anastas und Warner formulierter Forschungsansatz, der die pr\u00e4ventive Gestaltung chemischer Produkte und Prozesse zum Ziel hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Welche rechtlichen Grundlagen regeln Schadstoffe in der Chemie?<\/strong><br \/>\nAuf europ\u00e4ischer Ebene sind insbesondere die REACH-Verordnung und die CLP-Verordnung ma\u00dfgeblich. Auf nationaler Ebene konkretisieren das Chemikaliengesetz (ChemG), die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die Bundesimmissionsschutzverordnungen (insbesondere 31. BImSchV f\u00fcr VOC) sowie das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) und das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) die Anforderungen.<\/p>\n<h2>Quellen und weiterf\u00fchrende Informationen<\/h2>\n<ul>\n<li>Anastas, P. T. &amp; Warner, J. C. (1998): <em>Green Chemistry: Theory and Practice<\/em>. Oxford University Press.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/chemg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chemikaliengesetz (ChemG)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gefstoffv_2010\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bimschv_31_2001\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">31. Bundesimmissionsschutzverordnung (31. BImSchV)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/echa.europa.eu\/regulations\/reach\/understanding-reach\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">REACH-Verordnung (ECHA)<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/chemikalien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umweltbundesamt: Themenbereich Chemikalien<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schadstoffe in der Chemie sind Substanzen, die bei chemischen Prozessen entstehen oder zum Einsatz kommen und die Umwelt belasten k\u00f6nnen. 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